Wie schreibt man einen Roman?

Es hat insgesamt sechs Jahre gedauert, meinen ersten Roman zu schreiben. 2019 hatte ich auf meinen Spaziergängen die ersten Ideen, aber ich habe sehr lange gebraucht, mir selbst zuzutrauen, wirklich einen Roman zu schreiben. Nach dem ersten Anlauf war ich direkt wieder entmutigt – zu gewaltig erschien mir das Projekt.

Das Brombeervolk lag mir aber zu sehr am Herzen und geisterte permanent in meinem Kopf herum. Außerdem lag mir mein Mann ständig in den Ohren, dass ich einen Roman schreiben sollte. Er glaubte fest an mich (und tut das immer noch). 

Ich brauchte also einen Plan und beschloss, mich schlau zu machen, wie man überhaupt Romane schreibt. Das Buch Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies war das erste Buch, das ich mir zu dem Thema kaufte, und es verschaffte mir einen sehr guten ersten Überblick. Es folgten einige weitere Bücher und unzählige YouTube-Videos. 

Und auf einmal schien es doch machbar.

2024 habe ich mir das Schreibprogramm Scrivener zugelegt, meine Word-Datei dorthin übertragen und endlich ernsthaft angefangen, am Manuskript zu arbeiten. Ich kam aber nur sehr stockend voran, weil der Alltag sich immer wieder dazwischendrängelte und ich mich oft einfach nicht aufraffen konnte. 


Im Januar 2025 machte ich dann bei einem Online-Schreibbootcamp mit und das brachte den Knoten zum Platzen. Ziel war, innerhalb von zwei Wochen 10.000 Wörter zu schreiben. Montags bis freitags jeweils 1.000 Wörter am Tag. Das erschien mir fast undurchführbar, aber dann war ich doch überrascht, wie gut es klappte. Ich schaffte in diesen zwei Wochen insgesamt 12.550 Wörter. Das war etwas mehr als ich in den zwei Jahren davor geschafft hatte! 


Und ich habe eine Menge über Schreibroutinen gelernt. Ich mag es eigentlich gar nicht, feste Routinen einzuhalten oder feste Arbeitszeiten zu haben. Aber ich stellte fest, dass eine täglich Schreibroutine unfassbar viel bringt. Also legte ich mir eine zu.

Da ich nachmittags im Notariat arbeite und danach kaum noch Energie für irgendetwas habe, habe ich mir angewöhnt, mich morgens gleich als erstes auf meinen Schreibsessel zu setzen, bewaffnet mit Kaffee und Laptop. Manchmal setze ich mich auch woanders hin, zum Beispiel auf mein Sofa oder an unseren großen Esstisch. Ziel: 1.000 Wörter oder mehr. 

Und es klappt! Nicht jeden Tag, weil manchmal einfach Termine dazwischenkommen. Aber an den allermeisten Tagen. Und wenn es klappt, fühle ich mich einfach nur gut und bin total glücklich. Das Schreiben gibt mir so viel. Es ist, als würden sich dabei meine Akkus aufladen.

Ich zog also durch und hatte Ende März 2025 plötzlich die erste Rohfassung fertig. Was für ein Gefühl!

Es gibt aber auch Phasen, in denen es nicht so gut läuft. Wie viele Autoren habe ich immer wieder mit Zweifeln zu kämpfen. Bin ich wirklich gut genug? Wird überhaupt jemand das Buch kaufen wollen? Wie soll ich als Selfpublisher das alles finanzieren? Werde ich jemals vom Schreiben leben können? Das ist nämlich mein Traum, darauf arbeite ich hin, aber ich stehe noch ganz am Anfang.

In solchen Phasen fällt es mir schwer, dranzubleiben. Ich schlafe morgens zu lange und nehme jede Ablenkung und Ausrede dankbar an, um nicht schreiben zu müssen. Weil es sowieso sinnlos erscheint.


Zum Glück dauern diese Phasen selten länger als ein, zwei Wochen. Und dann geht es wieder mit frischem Mut zurück an den Laptop, zurück in die Fantasiewelt, die ich so gerne mit meinen Leserinnen und Lesern teilen möchte. Leserinnen vor allem, denn ich schreibe für Menschen, die Gemütlichkeit mögen, die schöne Dinge mögen und eine zauberhafte Geschichte suchen, die sie für ein paar Stunden aus dem stressigen Alltag entführt und mit einem Lächeln zurücklässt. Und das sind meistens Frauen. :)

In der nächsten Zeit möchte ich gerne ausprobieren, wie es ist, an anderen Orten zu schreiben wie im Café oder im Pub, denn mein zweiter Roman (Arbeitstitel: Die Mondscheinkatzen) spielt in Irland. Ich bin sehr gespannt!